Unser Herz

Elektrokardiogramm

Elektrokardiogramm (auch EKG) ist ein nichtinvasives, diagnostisches Verfahren, das die Untersuchung der elektrischen Eigenschaften des Herzens ermöglicht und dadurch nützliche Informationen über seine Funktion bietet. Dazu werden die bei der Kontraktion des Herzmuskels entstandenen elektrischen Signale vom Elektrokardiogramm erfasst.

Die Kontraktion des Herzens wird von einem elektrischen Reiz ausgelöst. Im Idealfall kommt dieser Reiz vom Sinusknoten und wird durch die einzigartigen reizleitenden Fasern des Herzens an die Herzmuskelzellen weitergeleitet.  Dieser Vorgang wird vom Elektrokardiogramm gemessen, indem man an bestimmten Körperteilen Elektroden anbringt. Die von ihnen erfassten Signale erzeugen danach eine EKG-Welle, die eine Kurve mit regelmäßigen, individuellen Eigenschaften ist.

Das EKG wurde vom niederländischen Physiologen Willem Einthoven (Ableitungen nach Einthoven) (1860-1927) entdeckt. Seine Verdienste wurden 1924 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin anerkannt. Seine Entdeckungen und Beobachtungen sind auch heute noch unverändert gültig.

EKG-Aufnahme (12 Ableitungen) bei einem gesunden 26-jährigen Mann

Ziel

Ziel der EKG-Messung ist die Untersuchung des Aktionspotenzials im Herzen. Mit deren Hilfe kann folgendes analysiert werden:

  • Herzrhythmus
  • Ausgangspunkt des Reizes
  • Geschwindigkeit der Reizweiterleitung
  • Dicke des Herzmuskels
  • Eventuelle Durchblutungsstörungen des Herzmuskels

Die EKG-Aufnahme

Bei der EKG-Aufnahme (hier können Sie mehr über die Messung mit WIWE erfahren) kann man die elektrische Aktivität des Herzens beobachten und Schlussfolgerungen zum Zustand des Herzens ziehen. Dazu verwendet man Extremitäten- und Brustwandableitungen, mit denen das EKG-Gerät die elektrischen Signale erfasst. Für die EKG-Messung mit 12 Ableitungen werden vier Extremitäten- und sechs Brustwandableitungen verwendet. Dabei werden vom EKG-Gerät sechs Ableitungen an den vier Extremitäten erfasst (I, II, III, aVF, aVR, aVL). Die sechs Brustwandableitungen gelten als sechs separate Ableitungen (V1, V2, V3, V4, V5, V6). Die unterschiedlichen Ableitungen zeigen das Herz aus unterschiedlichen Winkeln. Die zwölf Ableitungen stellen eine noch akzeptable Zahl an Richtungen dar, die eine umfassende Aufnahme vom Herzen ermöglichen. Zu Forschungszwecken ist es auch sinnvoll, 100 oder noch mehr Ableitungen einzusetzen.

Die EKG-Kurve

Namen der vom EKG-Gerät erfassten Wellen: P, Q, R, S, T und U, die international festgelegte, einheitliche Bezeichnungen sind. Jede einzelne Welle stellt eine Depolarisations- (elektrische Entladung) oder Repolarisationsphase (erneute elektrische Aufladung) der Herzfunktion in bestimmten Teilen des Herzens dar.

  • P-Welle (Vorhofwelle): sie stellt die Verbreitung der Erregungsleitung im Vorhof dar. Sie hat eine positive Amplitude mit einem Wert von 1-2 mm. Dauer: 0,06-0,11 Sekunden
  • PR-Strecke: stellt die Zeit der Erregungsleitung zwischen dem Vorhof und der Kammer. Dauer: 0,04-0,1 Sekunden
  • QRS-Komplex (Kammerwelle): zeigt die Depolarisation der Kammer an, die schnell verläuft. Der Komplex besteht aus einer negativen Q-Welle, die nicht immer bemerkt wird, einer hohen, positiven R-Welle, die die Erregungsleitung der Hauptmasse der Kammermuskulatur darstellt, ihre Amplitude: 10 mm, und aus einer negativen S-Welle. Während des Ablaufs des Komplexes wird die Arbeitsmuskulatur der Kammer vollständig depolarisiert. Dauer: 0,06-0,1 Sekunden. Davon 0,03 Sekunden: Depolarisation des interventrikulären Septums, 0,055 Sekunden: Depolarisation der rechten Kammer, 0,068 Sekunden: Depolarisation der rechten Kammer.
  • ST-Strecke: Repolarisationsphase der Kammer.
  • T-Welle: verlängerte Welle mit mittlerer Amplitude, zeigt die vollständige Repolarisation der Kammer an, Dauer: 0,20 Sekunden.
  • T-Intervall: gesamte Dauer der Depolarisation und der Repolarisation der Kammermuskulatur.
  • U-Welle: eine Welle ungeklärten Ursprungs. Sie kann die Repolarisation des intraventrikulären Septums oder die langsame erneute Aufladung der Kammer anzeigen. Dauer: 0,1-0,2 Sekunden.

Herzrhythmus, Sinusrhythmus

Um den Herzrhythmus sicher bestimmen zu können, ist die Anzahl der Herzschläge in der gewählten Ableitung aufgrund einer längeren EKG-Kurve zu untersuchen. Im Allgemeinen verwendet man dazu Ableitung II (WIWE verwendet Ableitung I, hier können Sie mehr erfahren). Um Arrhythmien nachweisen zu können, sind mindestens 12 oder eher noch mehr aufeinanderfolgende Herzzyklen zu untersuchen.

Der normale Herzrhythmus wird als Sinusrhythmus bezeichnet. Dabei funktioniert der Sinuatrial-Knoten oder Sinusknoten als natürlicher Herzschrittmacher.

Eigenschaften des Sinusrhythmus:

  • 60-100 Herzschläge pro Minute.
  • die P-Welle hat eine positive Amplitude in Ableitung II und eine negative Amplitude in Ableitung aVR.
  • die P-Welle geht in jedem Fall dem QRS-Komplex voran.